Deportationsmuseum



Il Museo - spazio espositivo



Das Museo della Deportazione (Deportationsmuseum) ist eine Gedenkstätte, die an die Geschehnisse in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager erinnert. Es wurde im Jahr 2002 in Prato in der Ortschaft Figline eingeweiht, dort, wo 29 Partisanen am 6. September 1944 von einer Wehrmachtseinheit auf dem Rückzug erhängt wurden. Das Museum konnte einerseits dank der unermüdlichen Erinnerungsarbeit einiger Prateser Überlebender gegründet werden, die in der ANED, dem Nationalen Verband ehemaliger politischer KZ-Häftlinge, vereint sind. Andererseits war dies auch dank der Stadt Prato möglich, die diesen Ort in der vollen Überzeugung mitbegründet hat, dass er zum kulturellen und zivilen Wachstum seiner Bürger, junger wie älterer, beitragen könne.
Das Museum basiert auf den Ereignissen um die toskanischen Arbeiter, die infolge des Generalstreikes im März 1944 von Nazifaschisten verhaftet und in das Konzentrationslager Mauthausen in Oesterreich sowie seine Außenlager Ebensee, Gusen und Melk deportiert wurden. Es blickt schließlich auch auf die Millionen Männer und Frauen, die Opfer von Razzien in ganz Europa und aus politischen Gründen oder aufgrund ihrer "Rassenzugehörigkeit" deportiert wurden. Die Grundlage dazu stellte der Plan zur Versklavung und Vernichtung ganzer Völker dar, der vom Dritten Reich während des Zweiten Weltkrieges umgesetzt wurde.
Die Ausstellung wurde als symbolische Reise durch ein NS-Konzentrationslager gestaltet. Einige der ausgestellten Objekte sind Originale aus den Lagern oder Fabriken, die sich in den von den KZ-Häftlingen selbst in den Berg getriebenen Stollen in Ebensee befanden. Andere wurden auf Initiative der wenigen Überlebenden nach ihrer Rückkehr nach Prato rekonstruiert, um die in den Lagern erlittenen Qualen und die schrecklichen Bedingungen der Zwangsarbeit zu belegen. Das Museum wird außerdem durch schriftliche und mündliche Erlebnisberichte und verschiedene Filme über die Deportation ergänzt.
Im September 2010 wurde eine neue und moderne audivisuelle Ausstellung unter dem Titel "Mit meinen eigenen Augen - Stimmen und Gesichter von Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager" eröffnet. Die Ausstellung besteht aus sieben Videos mit direkter Audioübertragung in die an die Besucher verteilten Kopfhörer. In den Filmen erscheinen Zeitzeugen - jüdische Überlebende des Genozids und politische Häftlinge (vor allem aus der Toskana), aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle und Zeugen Jehovas - die von ihren Erfahrungen berichten. Die Ausstellung ist thematisch in Abschnitte gegliedert gegliedert, in denen die verschiedenen Aspekte der Deportation wie Ankunft, Leben und Tod im Lager, Selektion und Vernichtung erläutert werden.

Dokumentationszentrum



Il Centro di documentazione - panoramica



Im ersten Stock des Gebäudes befindet sich das Centro di Documentazione della Deportazione e Resistenza (Dokumentationszentrum der Deportation und des Widerstandes). Seit seiner Eröffnung, die gleichzeitig mit jener des Museums erfolgte, wird hier eine Dokumentation aufgebaut, die sich um das Gedenken an die Deportation in NS-Lager, die Massaker in Italien und der Toskana sowie die Widerstandsbewegungen gegen Faschismus und Nationalsozialismus dreht. Sie steht nicht nur für Fachrecherchen, sondern auch für didaktische Zwecke zur Verfügung. Dokumente und fotografische Quellen, wie Karteikarten, Register und Korrespondenz des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes (WVHA), enstammen vor allem dem Deutschen Bundesarchiv in Berlin sowie den KZ-Gedenkstätten Mauthausen und Ebensee in Oesterreich.
Das Zentrum konzentriert seine Aufmerksamkeit außerdem auf die Sammlung von Informationsmaterial über ähnliche Forschungsinstitute, Vereinigungen und Stiftungen sowie italienische und europäische Gedenkstätten, mit denen es eine fruchtbare Zusammenarbeit unterhält. Die Räumlichkeiten umfassen einen Video- und Konferenzsaal und bieten Forschern wie Besuchern eine spezialisierte Bibliothek mit über zweitausend Büchern, Zeitschriften und audiovisuellen Medien, die auch durch den interbibliothekarischen Verleih verfügbar sind. Es ist außerdem möglich, Informationen und Unterlagen über drei Computer-Terminals mit Internetzugang einzuholen. Im Zentrum finden oft kulturelle Veranstaltungen wie Vorträge, Film- und Buchpräsentationen, Wanderausstellungen und kleine Theatervostellungen statt.
Diese Einrichtung ist ein Ort des Wissens und der Begegnung für all jene, die Themen der historischen Erinnerung vertiefen möchten, die auch aktuelle Problemstellungen und das Zivilengagement betreffen.

Via di Cantagallo, 250 - 59100 Prato (Loc. Figline), Tel. + 39 0574-470728, Tel e fax +39 0574-461655